Diesen Beitrag druckenWarum muss man erst alt werden, um die Segnungen des Gleichmutes, der Gelassenheit und der Langsamkeit zu entdecken? Gründe gibt es gewiss viele: es muss zügig gearbeitet werden, damit man sich auch rentiert. Gleichmut und Gelassenheit sind auch nicht die idealen Antriebsfedern im Konkurrenzkampf um Absatz, Kunden, Gewinne und Beförderung. Und dann nähert sich der lang herbeigesehnte Tag X, an dem man zur Ruhe kommt — sei es nolens volens, sei es laut Gesetz.Bald ist die Liste aller Aktivitäten abgearbeitet, für die vorher nie Zeit war — Reisen, Besuche, Hausrenovierung, Gartengestaltung, Fitness, Kuraufenthalt etc. Und dann bleibt auch noch viel Zeit zum Lesen — wobei es nicht mehr vorrangig Fachliteratur sein muss. Belletristik, Krimis, Romane, Zeitschriften, Hörbücher und DVD’s . Vielleicht noch eine allgemeinbildende Vorlesung an der Uni oder einen Sprachkurs an der Volkshochschule, um den Geist fit zu halten (was immer das heißen mag.)
Irgendwann hatte ich ein starkes Bedürfnis nach Ruhe und Stille. Vor allem Stille in meinem Hirn und Ruhe für meinen Geist. Ich habe lange gesucht, vieles probiert und dabei stieß ich auf das Buch des französischen Philosophen Matthieu Ricard über Meditation. (Matthieu Ricard, Meditation. Nymphenburger Verlag, 2009). Wobei Meditation im Sinne fernöstlicher Spiritualität nicht ü b e r etwas nachdenken bedeutet, sondern — im Gegenteil — das höchste Ziel ist es, an N I C H T S zu denken, um den Geist zur Ruhe kommen zu lassen. Und das ist die ultimative Herausforderung schlechthin.
Sehen wir nicht, dass tief in uns stets dieses diffuse Unbehagen ist, obwohl wir uns doch eigentlich nach Glück und Erfüllung sehnen? (Seite 22 ).
Ist es nicht das, was wir schon immer gesucht haben? Ohne zu wissen, was genau wir suchten. Es ist nie zu spät.
