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Seit meinem letzten Tagebucheintrag sind sieben Wochen vergangen. Wo sind die guten Vorsätze,
ein kontinuierliches Tagebuch zu führen geblieben? Sie haben sich im blauen Himmel und in den hellen schwedischen Nächten aufgelöst, sie sind in die dunklen Tiefen des Vätternsees gesunken, während wir in ihm schwammen oder mit dem Boot über seine Wellen jagten.
Wir haben wunderschöne, in Jahrmillionen vom Wasser rund und glatt geschliffene Steine mit prächtigen Mustern und Maserungen gefunden. Wir haben sie mit Bootslack überzogen, und so glänzen sie im Garten als lägen sie immer noch im Wasser.
Ausflüge
Wir waren mit unseren Gästen in Stockholm. Haben uns das Wasa-Schiff angesehen – das Flaggschiff des schwedischen Königs Gustav Adolf II, das im Jahre 1628 auf seiner Jungfernfahrt noch im Hafenbecken von Stockholm vor den Augen zahlloser Schaulustiger mit Mann und Maus unterging. Erst im Jahre 1961 wurde es gehoben. Es ist bis jetzt das einzige vollkommen erhaltene Schiff seiner Gattung.
Die Wachablösung am königlichen Schloss war eine Operetten-Einlage ganz besonderer Art.
Außerdem waren wir mit unseren Gästen in Sundborn. Dort haben wir das ländlichen Anwesen des schwedischen Idyllemalers Carl Larsson und seiner Familie besucht.
Wir haben schwedische Landschaft erwandert und idyllische Kleinstädte besucht.
Abendessen
Das Abendessen auf der Seeveranda oder im Freien mit Blick auf den Sonnenuntergang über dem Vättern war oft der Höhepunkt des Tages. Ob allein oder mit Gästen, die schwedische Küche mit viel frischem oder eingelegtem Fisch, Elchgulasch oder Rentiergeschnetzeltem mit Pfifferlingen und Preiselbeeren, waren für uns alle ein neues kulinarisches Erlebnis.
Literatur
- Die Nacht ist aus Tinte gemacht: Herta Müller erzählt ihre Kindheit im Banat (2 CD`s)
Wer sich für die Literaturnobelpreisträgerin interessiert, wird von ihrer Stimme und dem Inhalt gefesselt sein und sich fragen, ob das alles in Europa im 20. Jh. stattfinden konnte. - Stadt der Engel oder The Overcoat of Dr. Freud von Christa Wolf.
Laut Verlagstext: Der große Roman spiegelt das Leben der Autorin, wie in “Kindheitsmuster” immer wieder verbunden mit entscheidenden Momenten deutscher Geschichte.
In Christa Wolfs biografischen Schilderungen, finde ich eine Entsprechung zu meiner Biografie. Sie erzählt, wie sie auf ihrer Flucht in den Westen wegen der totalen Erschöpfung der Pferde nicht mehr rechtzeitig über die Elbe kam und deshalb in der zukünftigen DDR aufwuchs. Auch ich frage mich, welches Leben ich gelebt hätte, wenn ich nicht in der BRD aufgewachsen wäre. Dazu kam es nur, weil mein Vater, als wir in München auf einem Abstellgleis als Flüchtlinge in einem Zug saßen als Reiseziel für seine Familie Stuttgart und nicht Leipzig wählte. Ich habe über diese Entscheidung meines Vaters nachgedacht. Sie hat mein Leben bestimmt wie viele andere Ereignisse. Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass es zu viele Abhängigkeiten gibt, um sich über nur eine einzige Gedanken zu machen. Das Leben ist aus Abhängigkeiten zusammengesetzt. Meinem Vater bin ich für seine Entscheidung für Stuttgart aus tiefstem Herzen dankbar.
Das letzte Abendessen
Wir beobachten, wie über dem See die Nacht vom Himmel fällt…
Grautöne bis ins Schwarze hinein umspielen die Ufer und Inseln. Lediglich zwei Schlitze in der Wolkenwand, durch die die letzten Strahlen der untergehenden Sonne auf der Wasseroberfläche eine schmale weiße Lichtstraße malen, unterbrechen kurz das Werden der Nacht. Ab Morgen steht das Haus am See wieder allein und unbewohnt bis zum nächsten Sommer.
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Hey Marta,
super blog, den Du da hast!!
Noch viel Freude damit, ich schau mal wieder rein.
LG Gabi
[Eine Übersetzung des schwedischen Textes steht im Anschluss.]
Kära Marta!
Klockan är 6.30 söndag morgon 5 september. Jag sitter och läser Din blog och konstaterar att den svenska sommaren har gått in i ett skede som vi kallar brittsommar, sensommar, indiansommar. Gräsmattan är vit av frost, himlen blå, löven på björkarna börjar gulna. Din blog, sommardagbok, är ett fint minne av sköna dagar i Sverige. Nu är Du och Annemarie på väg söderut och vi önskar er en god och säker resa, alla mil ni har framför er! Ni är i sällskap med andra flyttfåglar – vi hörde igår hur tranor ropade vemodigt när de flög över vår lilla stad på väg mot semester och värme.
Många kära hälsningar från oss, Gudrun o Lennart!
[Liebe Marta,
es ist 6.30 am Sonntagmorgen, dem 5. September. Ich sitze da, lese Deinen Blog und stelle fest, dass der schwedische Sommer in eine Phase hinüber geglitten ist, die wir Altweibersommer [wörtl. Brittas Sommer], Spätsommer oder auch Indianersommer nennen. Der Rasen ist frostbedeckt, der Himmel ist blau und die Birkenblätter nehmen schon verschiedene Gelbtöne an. Dein Blog — das Tagebuch eines Sommers — ist eine schöne Erinnerung an herrliche Tage in Schweden. Du und Annemarie seid gerade auf dem Weg südwärts und wir wünschen Euch eine gute und sichere Fahrt für all die vielen Kilometer. Ihr befindet Euch in guter Gesellschaft mit anderen Zugvögeln. Gestern schon hörten wir den wehmütigen Ruf der Kraniche, als sie über unsere kleine Stadt dahinflogen auf dem Weg in den Urlaub und in die Wärme. Viele liebe Grüße von Gudrun und Lennart.]